34. Vienna City Marathon 2017

Ich hatte das Glück als Crewrunner der Adidas Runners Frankfurt einen Startplatz für den Vienna City Marathon zur Verfügung gestellt zu bekommen. Da sich aus den anderen Adidas Runners Städten auch viele Läufer angekündigt haben, sollte das Wochenende nicht nur das Frühjahrslaufhighlight werden, sondern auch ein Meet-and-Greet mit den anderen Crews. Die Anreise ging recht schnell und unkompliziert mit dem Flieger und ich zog in eine ruhige und großzügige Airbnb-Wohnung im 5. Bezirk in der Nähe des Naschmarkets. So konnte ich mich auch mal zurückziehen und auf den Marathon konzentrieren, schließlich war das Ziel die Bestzeit vom Frankfurt Marathon 2016 (3:08:42) zu unterbieten. Die Vorbereitung verlief top, ich konnte meine Halbmarathonbestzeit unterbieten und alles passte, jetzt muss nur noch das Wetter mitspielen. Tja, und was soll ich sagen: als ich 3 Tage vor dem Marathon die Nachrichten angeschaut habe, sah ich gesperrte Autobahnen zwischen Wien und Bratislava. Es gab kein Durchkommen durch Schneeverwehungen! Und das Mitte April. Aber die Temperatur sollte sich zum Glück bessern, nur windig sollte es werden.

Freitag Abend ging es direkt zum Wiener Badeschiff, was als Runbase umgebaut wurde und an dem Wochenende Eröffnung feierte. Da kann man als Frankfurter richtig neidisch werden, sehr zentral und sehr viel Platz habt ihr dort liebe Wiener. Man traf alte Bekannte sowie neue Gesichter und man merkt schon, „laufen verbindet“. Und das Rahmenprogramm der Adidas Runners Wien konnte sich auch sehen lassen, am nächsten Morgen gab es eine kleine Shakeout-Sightseeingrunde und als Gastläufer hat sich Lemawork Ketema (Wings for Live Worldrun Global Sieger 2014, 2015) angekündigt. Es war eine nette kurzweilige Runde und man konnte sich schon auf den nächsten Tag freuen.

Gleich danach ging es für mich zur Messehalle und dort folgte die nächste Überraschung. Direkt am Eingang gab es einen großen Adidas Runners Europe-Bereich. An der Wand waren alle AR-Läufer namentlich genannt, was ganz klar zum Fotohotspot wurde. Auf der Messe holte ich mir noch zwei Gels, da ich im Flieger nur mit Handgepäck keine eingepackt hatte. Nach einem leckeren Wiener Schnitzel in der Stadt, was sonst, gab es um 17:00 noch einen 10km-Lauf. Und getreu nach dem Motto „if you not run – you cheer“ ging es natürlich zur Praterallee. Es war auch eine prima Gelegenheit meine Kamera auszuprobieren und meine Fotokenntnisse zu verfestigen. 🙂

 

Nach der Pastaparty in der Runbase ging es dann auch schnell zurück in die Wohnung. Das ganze rumlaufen, die Uhr zeigte über 20km an, hat die Beine dann doch ermüdet und am nächsten Tag hieß es früh aufstehen.

Der Wecker klingelte um 6:00 und neben dem obligatorischen Nutella-Toast gab es auch 500ml Rote-Beete-Saft, das Ausdauerwundergetränk. Und dann ging es auch schon los, um 7:45 war schon Gruppenfototermin. Wettertechnisch waren 8 Grad angekündigt, also bestes Laufwetter für kurz/kurz, wenn nicht der Wind wäre. Der war schon etwas kalt, so dass ich mit Pulli und Jacke zum Start bin und dort die Sachen abgeben wollte. Dies war kein Problem, die LKWs waren gut sortiert und ich hab mich 30 Minuten vor dem Start rennfertig gemacht. Mein Startblock war Block 2, das hieß also der erste Block auf der linken Seite. Die ungeraden Blöcke starten auf der rechten Straßenseite 250 Meter weiter vorne, müssen allerdings später um einen großen Kreisverkehr außen herum. So ging ich von hinten durch die leeren Blöcke 6 und 4, denn die Läufer suchten noch Schutz vor dem kalten Wind, in den Block 2. Es kontrollierte niemand. Das hatte ich vorher schon gelesen, deshalb wollte ich auch weit nach vorne in den Block 2. Hier positionierte ich mich in Reihe 5, die vor mir stehenden Läufer spendeten Windschatten, so dass es auch gar nicht so kühl war. Und wenn man schon denkt ich laufe viel, wird man trotzdem überrascht. Denn 15 Minuten vor dem Start gesellte sich ein Läufer zu uns, der schon kurz vor 6:00 losgelaufen ist und den Wien-Marathon schon mal in umgekehrter Reihenfolge abgelaufen ist. Das heißt also er hatte die 42,2km im lockeren 5er-Schnitt absolviert und läuft nun die Strecke nochmal, jetzt allerdings wie vorgesehen.

Um 9:00 ging es pünktlich los und durch die gute Startreihe kam ich super los und konnte mein Tempo laufen. Mein Plan war durch den Wind und die 50 Höhenmeter auf der ersten Runde auf der ersten Hälfte mit 1:32 zu starten. Ich wollte zwischen 4:20 und 4:25/km bleiben. Es ging direkt die Reichsbrücke hoch und schon standen wir voll im Wind. Die vordere Startreihe hatte den Vorteil, dass ich frei laufen konnte, allerdings fehlte aber der Windschatten. Das erste Kilometerschild kam noch bevor wir die Donau vollständig überquert haben. Mit 4:23 war alles im Plan und der Puls war trotz Gegenwind ganz ok. Bei km3 bogen wir auf die Hauptallee des Praters ab und die Startblöcke vereinigten sich von 6 Spuren auf gefüllt 2 Spuren. Es wurde etwas enger, aber bei uns vorne war es noch gut laufbar. Die Bäume bildeten Windschatten so dass sich die km-Zeiten bei 4:16 einpendelten. Leicht schneller als geplant, aber noch war es ja flach. Bei km7 bogen wir rechts auf die Schüttelstraße ab und am Donaukanal hatten wir wieder Gegenwind, die Zeiten waren mit 4:20/km trotzdem gut im Plan. Ich fühlte mich gut und der Wind schien nicht ganz so doll zu stören wie vorher befürchtet. Bei km9 liefen wir am Stadtring entlang und einen km später folgte schon der erste Cherringpoint unter dem Adidas Torbogen. Es war noch nicht ganz so viel los, denn die meisten Leute der Crew liefen selbst den Halbmarathon oder die Staffel. Als Marathonläufer füllt man sich nach 10km auch noch so gut, als wenn man Bäume ausreißen könnte.

Die nächsten 6km schlängelte sich das Läuferfeld über die linke Wienzeile Richtung Schloß Schönbrunn. Die Strecke ging leicht bergauf, das war aber kaum spürbar. Die Zeiten waren mit 4:20/km immer noch sehr gut. Bei km16 passierten wir Schloß Schönbrunn und es ging durch eine lange Rechtkurve wieder Richtung City. Jetzt hieß es einfach, locker das Tempo von 4:20 laufen und es klappte. Der Puls war mit knapp unter 170 im grünen Marathonbereich. Bei km20 passierten wir die Shoppingmeile im Stadtteil Mariahilf und kurz danach trennten sich die Halbmarathonläufer von den Marathon- und Staffelläufer. Ich hielt Ausschau nach einem Dixie, denn die Blase drückte schon leicht seit Beginn des Marathons. Es ging außen an der Stadt vorbei, die Strecke war gleich viel leerer, aber trotzdem war man nie allein. Die Halbmarathonmarke passierte ich bei 1:31:48, alles im Plan. Ich nahm ein Gel, blöderweise hatte ich das zweite Gel im Pulli gelassen, welchen ich mit dem Startbeutel abgegeben habe. Somit musste ich nur mit dieser einen Energiezufuhr auskommen. Kurz nach km24 liefen wir wieder am Donaukanal lang, dieses mal mit Rückenwind und endlich sah ich auch ein Dixie wo die Tür Richtung Läufer aufgestellt wurde. So konnte man schon vom Weiten sehen, dass es frei war. Wegen des Boxenstopps war der km25 dann mein bisher langsamster km, mit 4:51 aber dann doch ganz gut, schließlich hab ich 45 Sekunden gestanden. Der Rückenwind und das befreite Laufen beflügelten mich etwas.  Bei km28 war dann schon 2/3 des Marathons geschafft und ich war immer noch bei tiefen 4:20er-km-Zeiten.

Wir bogen wieder auf die Praterallee ab. Das Gute war, durch die Bäume war die Strecke windgeschützt, nur zog sich die Allee auf der zweiten Hälfte doch länger. So konnte ich bei dem km30-Schild kurz dahinter der 32er-Schild sehen, nur das ich dafür noch eine Schleife zum Ernst Happel Stadion machen durfte. Mental war die Streckenführung jetzt nicht so einfach. Danach ging es noch weiter der Hauptallee entlang. Bis zum Lusthaus war es nun eine langgezogene Wendepunktstrecke. Die erreichte ich bei km34 und nun ging es zurück in die City, endlich Richtung Ziel. Bei km35 gönnte ich mir eine Cola und damit ich die auch genüsslich trinken konnte, ging ich ein paar Schritte. Nur nicht allzu lange, nur eine kurze Belohnungspause und schnell wieder loslaufen. So war der km mit 4:44 auch nur leicht langsamer. Dieses mal bogen war nicht auf die Schüttelstraße ab, sondern liefen etwas früher nach rechts. Der Vorteil: wir blieben im Park und waren windgeschützt. Es wurde etwas zäher, die nächsten beiden Kilometer ging bei knapp unter 4:40 durch. Das km38-Schild wurde nun erreicht, jetzt sind es nur noch 4,2km, also nur noch 10%. Ein 5:00er-Schnitt würde für eine neue Bestzeit reichen. Es ging nun direkt zurück in die Stadt, ich überquerte wieder die Donau, erreichte den Stadtpark und bog links auf die Parkallee ein. Jetzt erreichte ich wieder den Cheerpoint der Adidas Runners. Und nun war deutlich mehr los als noch zu Beginn. Hier gab es nochmal einen Motivationsboost, das Tempo war wieder kurz bei 4:20.

Jetzt nur noch zwei Kilometer mit zwei Rechtskurven. Ich bog auf den Kärntner Ring ab, aber dann das: neben der leicht ansteigenden Strecke kam jetzt der Wind wieder mit voller Wucht von vorn. Das wird mal ein Finish, hier darf ich nun doch richtig arbeiten. 4:42 ist für die Steigung und den Gegenwind dann doch in Ordnung, jetzt kann ich die Zielgerade sehen. Der Schritt wird nochmal schneller, ich ziehe am Burgtheater vorbei und erreiche den Zielbogen: 3:08:07. Es hat gereicht, die Bestzeit wurde um 35 Sekunden unterboten.

Am Anfang nur etwas verhaltende Freude, Plan B (neue Bestzeit) wurde erreicht. Gern wäre ich im Hinblick auf sub3 natürlich noch etwas schneller gewesen. So ist der Schritt für den Herbstmarathon nicht ganz so groß. So muss ich in Frankfurt ganze 488 Sekunden, das sind 11,6 sec je Kilometer, schneller laufen. Das ist ein ganz schönes Brett. Mit etwas Abstand sieht es aber besser aus. Die Strecke in Wien hatte etwas Höhenmeter und durch den Gegenwind bin ich mental nicht wirklich voll bei der Sache gewesen. So spukte immer der Gedanke im Kopf herum, auf Bestzeit kann man bei solchen Bedingungen eh nicht laufen. Es war ein schöner Wohlfühlmarathon und ich bin nicht wirklich aus der Komfortzone herausgelaufen. Mein Durchschnittpuls lag am Ende auch bei den 170 Schlägen, wie in der ersten Hälfte. In Frankfurt 2016 war dieser auf der zweiten Hälfte gleich 5 Schläge höher. Durch mein kleines Missgeschick mit nur einem Gel habe ich die Handbremse auf der zweiten Hälfte nicht wirklich gelöst und trotzdem war es mit 1:36:19 meine bisher beste zweite Halbzeit bei einem Marathon.

zur Strava-Aktivität

Im Vergleich, Frankfurt 2016 (3:08:42 in blau) und VCM 2017 (3:08:07 in rot). Während in Frankfurt der Puls kontinuierlich stiegt, habe ich mich in Wien bis zum Endspurt etwas geschont.

Aber die Nichtvollbelastung ist nun mein Vorteil und ich konnte direkt eine Woche nach dem Marathon wieder voll weiter trainieren. Den heißt der Fokus: Frankfurt Marathon und dort soll die sub3 fallen!

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