Trainingsmarathon beim 26. Tollenseseelauf

Zwei Wochen vor dem 70km Sachsentrail, wollte ich noch einen langen Lauf absolvieren. Da ich durch die Hochzeit meines Bruders in Stralsund weilte, fielen viele Höhenmeter allerdings flach. Über die Umkreissuche bei den einschlägigen Laufseiten ist mir der Marathon in Neubrandenburg aufgefallen und wollte mich spontan entscheiden, ob ich ihn mitlaufen werde. Lust hatte ich schon, wusste allerdings nicht, ob ich dafür einen ganzen Vormittag opfern wollte. Meine Eltern kamen aber spontan mit und wollten sich während des Laufes die Zeit in der Stadt vertreiben.

Vermarktet wird der Marathon unter den Beinamen „Der härteste im Norden“, schließlich warn noch 400 Höhenmeter zu absolvieren. Das ist also dann doch ein guter Trainingslauf, der Vorteil zum allein laufen ist, man kann sich auf die Versorgung des Veranstalters verlassen und bekommt am Ende noch eine schöne Medaille.

So saßen wir zur dritt kurz vor acht im Auto und düsten nach Neubrandenburg. Die Nachmeldungen waren bis 30 Minuten vor dem Start möglich und kosteten 40.- € und da nur etwas mehr als 100 Läufer den Marathon in Angriff nehmen, war alles dort sehr entspannt. Als Frühbucher zahlt man sogar nur 25.- €und das ist mit Finishermedialle und Shirt schon extrem fair und günstig. Mit den Staffeln, Halbmarathon-, 10km- und Kinderläufen waren insgesamt doch über 2.000 Läufer am Start. Da ich vier Tage zuvor noch einen langen 35km-Lauf mit 1.080 Höhenmeter und zwei Tage zuvor noch 15km als Tempodauerlauf in 4:26/km gelaufen bin, wollte ich den Marathon nur locker durchlaufen. Es ist in erster Linie ein Trainingslauf aus dem vollen Training und kein Wettkampf. Es bleiben ja auch nur 2 Wochen Regeneration für den Sachsentrail.

Der Tollensesee hat knapp 18km² Fläche und liegt direkt südlich von Neubrandenburgs Innenstadt und ist in der Eiszeit entstanden. Durch die Endmoränenlandschaft ist es auch verständlich, warum die Landschaft so wellig ist. Neben den Tollensesee, wurde auch gleich der südlich gelegene See Lieps mit umrundet. Um diese beiden Seen führt ein sehr schöner Fahrradrundweg von 35km, den wir abgelaufen sind. Um den Marathon auch voll zu bekommen, gab es im Süden noch eine kleine Schleife zum Schloss Hohenzieritz.

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sehr entspannt vor dem Start

Pünktlich um 10:00 wurden wir mit den Staffelläufern auf die Strecke geschickt. Mein Plan war ca. 3:45 zu laufen, also 5:20/km. Ich trabte also locker los, das Wetter war super, nicht allzu warm, jedoch leicht windig. Der ersten 800m ging es durch den Park, bevor wir den See erreichten, danach ging es im Uhrzeigersinn einfach einmal um den See herum. Nach dem Tempodauerlauf vom Donnerstag waren meine Beine am Tag vor dem Marathon noch etwas schwer, das Auslaufen am Freitag hat aber geholfen. Die ersten Kilometer waren noch relativ flach, so dass ich immer knapp unter 5:00/km gelaufen bin. Etwas schneller als geplant, aber der Puls war nur bei 75%, also alles bestens. Bei km 8,5 gab es den ersten Hotspot, hier fand die erste Staffelübergabe statt. Das Durchschnittstempo war bis hier bei 4:55/km und ich lag  zu diesem Zeitpunkt auf dem 29. Platz.

Jetzt wurde die Strecke etwas welliger. Mittlerweile laufen wir jetzt nicht mehr direkt am See, sondern mit leichtem Abstand zum Ufer. Es geht an vielen Feldern und Wiesen vorbei. Das ganze Training in den Treppenhäusern und im Taunus macht sich jetzt bezahlt. Die Steigungen waren mit maximal 40 Höhenmetern recht moderat und gut zu meistern. Ab und zu hatten wir zusätzlich auch noch deutlich spürbaren Gegenwind. Bei km 19 wurde dann die extra Schleife erreicht. Um den Wendepunkt und damit die zweite Staffelübergabe zu erreichen, musste man vorher noch den stärksten Anstieg (knapp 60 Höhenmeter auf 1,5km) absolvieren. Für den zweiten Abschnitt betrug meine Pace dann 5:08/km und ich hatte mich zwei Plätze nach vorne gearbeitet.

Psychologisch war den Wendepunkt auch sehr wichtig, liefen wir vorher nur gen Süden, ging es nun Richtung Norden immer dem Ziel entgegen. Mit einem Halbmarathon in den Beinen, waren die Anstiege nicht mehr ganz so leicht zu nehmen. Die Kilometerschilder haben auch gewechselt, auf der ersten Hälfte wurde jeder Kilometer korrekt angezeigt. Jetzt waren die Kilometerschilder immer 200 Meter nach dem Kilometer und zeigten den Countdown zum Ziel an. Auf dem dritten Teilabschnitt hatte ich meine anvisierte Pace von 5:20/km nun doch erreicht. Das lag zum einen an der Ermüdung, auch wenn der Marathon locker gelaufen wird, merkt man die Kilometer doch in den Beinen,  und an dem weiterhin sehr welligen Abschnitt. Ich hatte hier die 27. schnellste Zeit und mich trotzdem noch einen Platz nach vorne gearbeitet. Auch die Mitläufer sind auf diesem Abschnitt langsamer geworden.

Jetzt fehlten nur noch die letzten 10km. Hier machte ich nach einem Anstieg am Verpflegungsstand auch mal kurz halt, trank eine Cola und verspeiste eine halbe Banane im Gehen. Dann konnte ich wieder locker weiterlaufen. Sonst bin ich den Marathon nur mit Wasser gelaufen, was nochmal ein gutes Training für die Fettverbrennung war. Die Pace war trotz kleiner Gehpause mit 5:40/km dann doch akzeptabel. Jetzt versuchte ich wieder die 5:20/km zu laufen und wir kamen wieder etwas dichter ans Ufer des Tollensesee. Die Pace ließ sich ganz gut halten und mit jedem Kilometerschild, wurde ich motivierter. Ab km 37 steigerte ich mich noch auf 5:10/km. Bei km 40 erreichten wir die ersten Ausläufer des Parkes, das heißt also weiter Tempo erhöhen. Jetzt ist es nicht mehr weiter. Der letzte Kilometer ist mit 4:43 der schnellste des gesamten Marathons und mit 3:37:41 überquerte ich als 21. das Ziel. Im letzten Streckenabschnitt bin ich die 17. schnellste  Zeit gelaufen und hab nochmal 5 Plätze gut gemacht. Mit gut 80% Durchschnittspuls bin ich mit der Zeit und den 400 Höhenmeter sehr zufrieden. Die Beine fühlen sich 24 Stunden nach dem Lauf schon wieder ganz gut an und ich sollte mit dem Lauf den richtigen Weg zwischen Belastung und Regeneration für den Sachsentrail gefunden haben.

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Marathon- und Staffelstart
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auf der ersten Hälfte
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leicht wellig in einer schönen Landschaft, da kommen einige Höhenmeter zusammen
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nur noch 5km bis zum Ziel
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mein Zieleinlauf sieht nicht sonderlich dynamisch aus, obwohl ich dort den schnellsten km gelaufen bin
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die verdiente Medialle

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