14. Frankfurter Halbmarathon

„Dies ist der Zeitpunkt, an dem wir die Lautstärke noch weiter aufdrehen. 15.000 Leute in Köln, seid ihr bereit das Stadion in Chaos zu verwandeln???!!!“ Die Menge jubelt, reißt ihre Arme hoch und die Musik beginnt. Es ist 22:30 und ich bin mittendrin im Macklemore-Konzert in Köln – eine Wahnsinnsshow. Rund zweieinhalb Stunden später liege ich im Bett und habe noch gut 6 Stunden Zeit mich für den Halbmarathon in Frankfurt auszuruhen. Eine gezielte Vorbereitung sieht anders aus, ist aber auch nur halb so geil. 

Ich hatte mir den Wecker auf kurz nach sieben gestellt und bin dann doch von allein aufgewacht. Der Sonntag Morgen fing entspannt an. Nach einem kurzen Frühstück machte ich mich 8:15 auf den Weg nach Frankfurt. Da 5.000 Voranmeldungen schon vorlagen, wollte ich rechtzeitig da sein, um noch einen Parkplatz am Gleisdreieck zu bekommen. Alles klappte prima und das Abholen der Startnummer funktionierte problemlos. Im Foyer habe ich noch ein paar alte Bekannte getroffen, so dass noch ein wenig über das Laufen gefachsimpelt wurde. Gegen 9:30 machte ich mich auf dem Weg zum Auto, um die Sachen dort abzulegen und mich einzulaufen. Der Wind aus Osten war teilweise doch stark und sehr kalt. Deshalb habe ich mich für ein Langarmshirt entschieden und es ging auch schon los auf eine 2km lockere Runde durch den Stadtwald. Um 9:50 war ich dann auch schon wieder pünktlich am Start.

In den vorangegangenen Wochen ließ meine Form leider etwas nach. Habe ich im Januar noch 8km im Halbmarathonrenntempo mit 4:05 je km laufen können, war dies Ende Februar nicht mehr möglich. Nach 4 bis 5 km mit 4:07/km war ich am Limit. Meine Bestzeit hätte ich mit der Pace locker geknackt aber nun abgehackt. Die lag aus dem Jahr 2015 bei 1:28:24. Ich wollte immerhin ein sub 1:30 versuchen, auch wenn das schwer werden sollte. Somit stellte ich mich im ersten Block auf. Hier starteten die Läufer, die schneller als 1:35 laufen wollten. Nachdem die Eliteläufer gestartet sind, ging es für uns kurz danach auch auf die Strecke. Beim Frankfurter Halbmarathon kommt nach ein paar hundert Metern direkt der Eisenbahntunnel mit Schikane. Das bremst das Feld erstmal aus. Aber so langsam wie am Sonntag, bin ich noch nie losgetrabt. Nicht nervös machen lassen, der Halbmarathon beträgt ja 21,1km, also noch genug Zeit. Danach kam die Flughafenstraße, die sehr breit war und dem Feld Zeit und Platz ließ, sich zu sortieren. In einem Affenzahn spurteten die 1.30 Pacemaker an mir vorbei. Ein Blick auf die Uhr zeigt aber ein gutes Tempo und der erste Kilometer ging trotz langsamen Starts mit 4:14 durch.

Ich blieb an den Pacemakern dran und mein Eindruck des leicht erhöhten Tempos täuschte nicht. Km 2 stoppte bei 4:09. Mein Puls war gut, ich fühlte mich gut. Also locker mitlaufen. Auf dem schmalen Feldweg im Stadtwald war eh nicht ans überholen zu denken. Bei km4 ging es dann bei einer Spitzkehre in die am Wochenende ausgestorbene Bürostadt Niederrad. Ich blieb am sub 1:30 Luftballon dran, die Uhr piepste bei km5, aktuelle Pace 4:09. Für den 4:15er-Schnitt haben wir nun schon 15 Sekunden Vorsprung rausgeholt. Gut, dachte ich mir, bei km13 und 15 gibt es noch kleine Steigungen, die Pace scheinen die paar Sekunden vorher rausholen zu wollen. Ich konnte das Tempo aber locker mithalten. Bei km6,5 bogen wir Richtung Osten ab und uns blies eine leichte Prise von vorne entgegen. Durch die große Traube um den Luftballon war es kein Problem und ich hatte genug Windschatten. Die Pace blieb im erstaunlich guten 4:10-13er-Bereich. Bei km8, jetzt ging es direkt ans Mainufer, plötzlich ein lauter Knall. Der Luftballon der Pacemaker blieb in einem Baum hängen und der war stärker. Mittlerweile betrug der Vorsprung zum angepeilten Schnitt 25 Sekunden. Jetzt konnte ich schonmal rechnen: 4:15/km heißt ja einen Halbmarathon in 1:29:40 zu absolvieren. Zu den 25 rausgelaufenen Sekunden kommen also nochmal 20 Puffersekunden. Macht 45 Sekunden Vorsprung, bei noch 13 zu laufenden Kilometern, könnte ich 3 Sekunden langsamer als der geplante Schnitt laufen. Sowas motiviert mich beim Laufen ungemein.

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Bei km10 lief ich dann auch exakt die 4:18. Das hatte aber eher mit dem Verpflegungsstand zu tun, bei dem man ja immer ein paar Sekunden verliert. Ich fühlte mich frisch und begann langsam die zwei Pacemaker zu überholen: 4:06 hieß es für km11. Knapp mehr als die Hälfte war absolviert und bis zu den 1:30 waren es jetzt schon 53 Sekunden Puffer. Das sind nun 5 Sekunden mehr und eine 4:20 sollte ich jetzt locker laufen können. Mit 4:05 auf km12 und 4:08 bei der leichten Steigung der Stresemannallee hatte ich nun eine recht flotte Phase. Nach der Mörfelder Landstraße sollte die nächste leichte Steigung kommen. Km14 absolvierte ich immer noch in erstaunlichen 4:13. Wieder ein guter Zeitpunkt zu rechnen, denn schließlich waren nun 2/3 geschafft. 72 Sekunden Vorsprung hatte ich nun schon herausgelaufen und wieder war es recht einfach zu rechnen. Bei noch 7 zu absolvierenden km, sind es 10sec/km Puffer. Jetzt folgte der langsamste km des Frankfurter Halbmarathon, mit 4:19 aber noch deutlich unter der Pufferzeit.

Es folgt nun eine 2,8km lange Wendepunktstrecke, 1,4km hin und dann nochmal zurück, bevor man auf die Straße zum Stadion einbiegen darf. Die ist ein guter Zeitpunkt auch mal die anderen Läufer zu beobachten. Nachdem ich den Wendepunkt erreicht hab, kam mir Benny entgegen, mit dem ich noch kurz vor dem Start gefachsimpelt habe und kurz dahinter Flooorrriii, der Bestzeit lief. Dann durfte ich endlich in die Otto-Fleck-Schneise einbiegen. Km16-18 gingen mit je 4:17 durch, ich konnte den Fokus nicht mehr so ganz oben halten. Dies sollte sich nun ändern. Die Otto-Fleck-Schneise war der Beginn der langen „Zielgerade“. War es bei meinem ersten Halbmarathon in 2012 noch zermürbend sehr lange um das Stadion zu laufen, wusste ich nun worauf ich mich einließ. Das setzte nochmal Energie frei und km19 absolvierte ich in 4:10, geht doch. Bei 68 Sekunden Puffer konnte auch nichts mehr anbrennen, 4:49/km reichen für sub 1:30. Man konnte den Zieleinlauf schon hören, es waren zwar noch 10% oder 2,1km zu absolvieren, das ist aber nun ein Klacks: 4:08 für km20.

Jetzt bog ich in den Startbereich ein, nochmal eine lange Runde außen herum und dann geht es endlich ins Stadion. Die Beine spurteten über die Strecke. Mit 4:03 absolvierte ich den schnellsten km des gesamten Halbmarathons. Am Ende stoppte die Uhr bei 1:28:45. Obwohl ich die Bestzeit um nur 21 Sekunden verpasst hatte, war ich sehr zufrieden. Eigentlich war ich weil ich die Bestzeit um nur 21 Sekunden verpasst hatte, sehr zufrieden. Sub 1:30 war mit den Trainingsläufen ein optimistisches Ziel und das konnte ich dann doch gut unterbieten. Ein guter Einstand ins Trainingsjahr, aus dem ich mir wieder neue Motivation für die anstehenden Trainings hole. Flooorrriii kam mit 1:34:29 kurz nach mir ins Ziel und wir konnten nach unserem gemeinsamen Halbmarathon in Tromsö noch ein wenig austauschen. Es war ein richtig schönes Erlebnis. Der Frankfurter Halbmarathon ist ein Besuch wert und mittlerweile sind die 5.000 Startplätze immer vor dem Lauf ausverkauft. Kein Wunder, bei der schnellen Strecke und der guten Organisation.

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Ein Gedanke zu „14. Frankfurter Halbmarathon

  • 15. April 2016 um 00:14
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    Super Post! Ich war ebenfalls beim Frankfurter Halbmarathon und meine Vorbereitung sah ähnlich verrückt aus. Morgens um 5 Uhr machte ich mich von Bamberg aus auf den nach Frankfurt und durch Bahnverspätungen kam ich erst zum Startschuss am Stadion an, direkt alles abgeworfen und los ging es! Es war ein suboptimaler Lauf, jedoch ging er gut aus und so gibt es auch bei mir einige Eindrücke zu sehen. Ich ließ jedoch nur Bilder sprechen. Auf eine tolle weitere Laufsaison! 🙂

    xx San♥
    owlspassion.blogspot.de

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