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Polarnight Halfmarathon in Tromsö

Rennen

tromsoe_nrcDas Jahr hat kaum angefangen, schon stand das erste Highlight auf dem Programm: der Polarnight Halbmarathon in Tromsö. 21,1km laufen bei eisiger Kälte im nördlichsten Norwegen. Dabei liegt Tromsö auf dem 69. Breitengrad und 344km nördlich vom Polarkreis. Das heißt, es ist Polarnacht und die Sonne geht dabei den ganzen Tag nicht auf. Ich hatte keine Ahnung, auf was ich mich einlasse, trotzdem habe ich mich auf die Reise sehr gefreut. Gewonnen hatte ich das Komplettpaket bei der NRC+ Challenge im November/Dezember letzten Jahres. Dazu musste man nur in einer Woche die meisten Kilometer deutschlandweit laufend absolvieren. Da die Challenge über drei Wochen ging, gab es insgesamt sechs Gewinner (jeweils einen weiblichen und einen männlichen Gewinner pro Woche). Mit 308km habe ich mich in der Woche zwei für diesen Laufevent qualifiziert. Kurz vor Weihnachten bekam ich auch schon die Ausrüstung von Nike zugeschickt. Vor allem die sehr warme Tight lies auf eisiges Wetter schließen. Die Vorhersage betrug -15 Grad.

Freitag Mittag ging es schließlich zum Flughafen Frankfurt. Im Flieger traf ich einen weiteren Gewinner, Flooorrriii hat beim laufen.de-Gewinnspiel über Facebook den Trip gewonnen. Der Flug mit Zwischenstopp in Oslo verlief ohne Probleme und wir landeten gegen 18h in Tromsö. Kurz noch auf dem Flieger aus Berlin mit der Nike-Crew gewartet und wir wurden direkt ins Hotel gefahren. Dies befand sich nur 300 Meter vom Start entfernt. Es war ein Lauf der kurzen Wege. Der erste Abend endete mit einem gemeinsamen Essen, wo man die einzelnen Läufer besser kennenlernte, aber auch einen Einblick in die Arbeit von Nike bekommen konnte. Bei einem Verdauungssparziergang um 23h wurde noch kurz die Stadt erkundet. Es war ja eh dunkel, da spielte die Zeit keine Rolle. Bei -7 Grad war es am Wasser gefühlt doch etwas kälter und der Schnee war komplett vereist und es war sehr rutschig. Wie soll da der Lauf werden?

Samstag war Raceday. Ich habe morgens noch eine kleine 3km Runde gedreht, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie rutschig es ist und welche Laufkleidung ich anziehe. Bei einem Tempo unter 5:00/km rutschte man doch immer wieder leicht nach hinten weg, obwohl ich Schneeketten angelegt hatte. tromsoe_tbBei Laufen war mir nicht zu kalt, dadurch habe ich mich für die Nike-Flashtight entschieden. Der Stoff ist sehr dünn und passt sich den Beinen so gut an, dass man diese nicht spürt und trotzdem warm hält. Für den Oberkörper habe ich mich für ein Hypercool-Langarmshirt und der Aeroloft-Weste ausgewählt. Die ideale Kombi von Beweglichkeit und Wärmetransport. Um 11h ging es in die Stadthalle um die Startnummern abzuholen, das war unproblematisch innerhalb von einer Minute erledigt. Zuvor habe ich noch im lokalen Sportladen mich mit Spikes eingedeckt. Das Wegrutschen sollte nun kein Problem darstellen. Mittlerweile war es auch kurzzeitig hell. Die Sonne stand zwar unterhalb des Horizontes, aber nun konnte ich für knapp drei Stunden die umliegenden Berge bewundern.  Nach einem kleinen Mittag machten wir uns um 13:45 zur Stadthalle auf, es stand ein Fototermin an. Nike hat extra einen Fotografen engagiert. Ein Bericht über den Lauf wird im März im laufen.de-Magazin erscheinen. Die Garderobe war nur 50 Meter vom Start entfernt und war damit ideal um die Überjacke abzugeben. So hieß es sich 30 Minuten vor dem Start kurz warmzulaufen und dann wieder in die warme Vorhalle. Durch die kurzen Wege konnte man so nicht auskühlen. 5 Minuten vor dem Start, ging ich zur Startlinie und ordnete mich recht weit vorne ein. Als Minimalziel hatte ich mir 1:35 vorgenommen, was aufgrund der Bedingungen zwar schwer aber dennoch machbar war.

Punkt 15:00 folgte der Startschuss und der Himmel war bereits dunkel. Die Startgerade war sehr breit und lang. Dadurch konnte sich das Feld ohne Probleme sortieren. Insgesamt starteten knapp 500 Halbmarathonläufer. Eine Viertelstunde später dann nochmal gut 600 10km-Läufer. Der erste Kilometer ging in guten 4:15 durch, das lief besser als erwartet. Die Spikes taten ihre Arbeit gut und die Kälte machte mir nichts aus. Zum Start war es minus 7 Grad. Aber die Strecke wurde welliger und bei km 3 kam eine kleine Steigung. Eine 1:30 war bei diesen Bedingungen wie erwartet nicht möglich. Ich wollte den Lauf somit als schönen Tempolauf mit viel Spaß genießen. Beim vierten km ging es leicht bergab und ich lief hier mit 4:11 direkt den schnellsten Schnitt. Wir liefen an der Landzunge der Insel Tromsöya lang und konnten direkt aufs Wasser blicken. Die Strecke war nun flacher, aber auch mehr mit Schnee bedeckt, was auch Kraft kostet. Überall feuerten uns die Bewohner mit „Heja heja“-Rufen an.

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(schneereiche und vereiste Strecke auf dem Radweg)

Ich war mittlerweile so aufgewärmt, das ich meine Handschuhe und Mütze auszog. Bei km 8 ging es an zwei großen Kreisverkehren Richtung Flughafen. Hier hat die Polizei alles abgesperrt und die Läufer hatten Vorrang. Am Flughafen vorbei ging es auf zwei Wendepunkte zu. Beim ersten Wendepunkt rutschte Flo (Gewinner der Woche 3), der die ganze Zeit kurz vor mir lief leicht aus. Ich nahm etwas Tempo raus um die 180 Grad-Wende zu vollziehen. Es war Halbzeit, meine Uhr zeigte 46 Minuten an. Alles voll im Plan. Beim zweiten Wendepunkt musste man fast stoppen, damit man nicht wegrutscht. Das kostet natürlich Sekunden. Jetzt blies uns auf einmal der Wind ins Gesicht. Gefühlt war es gleich 10 Grad kälter. Jetzt hieß es beißen. Der Kilometerschnitt pendelte sich bei 4:40 ein. Die 1:35 war so noch gut zu erreichen, allerdings kam das wellige Stück fast am Ende. Jetzt waren schon 4:45er-Zeiten am Plan, die 1:35 schientromsoe_flieger gefährdet. Flo, der ca. 50 Meter vor mir war, ist plötzlich am Gehen. Ich hab mich kurz erkundet, ob alles ok ist und bin dann weiter. Wie er mir später erzählt hatte, ist er weggerutscht und hat sich das Knie aufgeschlagen. Mit den Spikes kam ich nicht einmal ins rutschen. Nur auf schneefreiem Asphalt, welche aber nur kurz bei Unterführung auftrat, merkte man auch die Spikes an der Fußsohle. Es ist doch ein anderes Laufen. Jetzt ging es wieder zurück in die Stadt und ich konnte bei den breiten eisigen Straßen wieder etwas Tempo anziehen. Km 20 ging bei 4:30 durch, die 1:35 war somit nicht gefährdet. Vorbei an unserem Hotel ging es die lange Zielgerade mit einem Schnitt von 4:15 entlang. Es motiviert schon sehr, wenn man von weitem das Ziel sehen kann. Am Ende bin ich mit einer 1:33:33 durchs Ziel und bei den Verhältnissen mit Platz 50 von 497 sehr zufrieden. Ich blieb mit einem Durchschnittspuls von 171 auch 3 Pulsschläge unter meinem Schnitt bei meiner Bestzeit im März 2015. Das war auch mein Gefühl, ich war schon sehr fordernd unterwegs, hätte aber noch einen Tick drauflegen können. Ideal für so einen Sightseeinglauf.

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(ja, es war kalt – die Körperwärme verdampft, im Ziel mit Flo aus Graz)

Interessant ist aber dann doch die Leistungsdichte bei den sub 1:30-Läufern. 33 von 329 männlichen Startern sind unter dieser Marke geblieben, das sind 10,0%. Und das bei den Bedingungen. Beim größten deutschen Halbmarathon in Berlin bleiben „nur“ 7,0% der Männer unter dieser Marke. Der schnellste deutsche Lauf mit den meisten Läufern unter 1:30 ist übrigens Frankfurt mit 9,3%.

Nach dem Lauf ging es wieder ins nahgelegene Hotel und abends haben wir in der Gruppe die Reise ausklingen lassen. Erst ging es zur offiziellen Siegerehrung, bei der Isi sogar einen Pokal für den dritten Altersklassenplatz bekam. Es war eine sehr schöne Reise, die von den drei Nike-Mädels Sarah, Annika und Jossie perfekt organisiert. Vielen Dank dafür. Auch die Lauftruppe hat Spaß gemacht, bei den gemeinsamen Essen, den Stadttouren und natürlich beim Lauf selber. Es war einfach eine coole Truppe im coolen Norwegen.

Berichtliste:

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Start des Halbmarathons:

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