Nike+ Run Club City Challenge

Laufen im November, es ist kalt, dunkel, regnerisch draußen. Die aktuelle Saison ist abgeschlossen, die nächste noch in weiter Ferne. Wie motiviert man sich dran zu bleiben und weiter zu laufen? Nike startete am 19. November die Nike+ Run Club City Challenge. 10 große Städte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz treten bis zum 13. Dezember gegeneinander an. Welche Stadt läuft die meisten Kilometer?

Alles was man dazu braucht, ist ein Nike+ Konto. Ich hatte meines schon 2012 erstellt und meine ersten strukturierten Laufschritte mit der Nike-App auf dem iPhone dokumentiert. Da ich nicht immer das iPhone zum Training mitnehmen wollte, bin ich dann kurz vor meinem ersten Marathon 2012 nur noch mit der GPS-Uhr gelaufen. Mittlerweile kann man Garmin-Uhren mit dem Nike+ Account verbinden. Perfekt, ein Start bei der Challenge stand nichts mehr im Wege. Und für Einzelläufer gibt es auch Hammerpreise: für den und die engagierteste LäuferIn je Woche gibt es eine Reise zum Polar Night Run in Tromsö. Insgesamt gibt es somit sechs Gewinner. Dabei ist die erste Woche 11 Tage und die zweite und dritte Woche normale 7 Tage lang. Mein Plan war es nun in der Woche 2 alles zu geben. Da die erste Woche 11 Tage beträgt, wäre mir die Belastung in der Woche zu hoch. In der dritten Woche ist die Challenge vielleicht zu populär, so dass da die Konkurrenz möglicherweise zu stark ist. Die erste Woche verlief somit locker, ich habe getestet, wie und wann die Daten hochgeladen werden und die Läufer für den Gesamtsieg beobachtet.

Die ersten Tage ging es noch moderat mit 25km am Tag los, steigerte sich dann Mitte der Woche auf 55km. Puuuuhhhh, das sind ganz schöne Umfänge. Der Sieger hatte dann 364km, davon 265km in den letzten 7 Tagen absolviert. Der zweite hatte 222 km in den letzten 7 Tagen. Ich habe mir 300km als Ziel gesetzt und wollte 3x am Tag laufen. Das wären pro Tag 42,9km. In der Vorwoche habe ich schon Laufklamotten und den Anzug auf der Arbeit deponiert. Mo, Mi und Fr wollte ich eine Teilstrecke zur Arbeit und Di sowie Do eine Teilstrecke zurück laufen.

NCC 1130_1Start war Montag der 30.11., morgens  um 5:10. Es schüttete aus Eimern, aber mit einer guten Regenjacke war es kein Problem. Die erste Zielstrecke war von Mainz zur S-Bahn-Station Raunheim. Nach 20,8km im lockeren Laufschritt habe ich die Strecke absolviert und sah, dass bis zur nächsten S-Bahn noch 20 Minuten Wartezeit war. Also habe ich noch eine kleine Schleife angehangen und konnte 23,1km für den ersten Lauf verbuchen. Da uns bei meinem Arbeitgeber eine Dusche zur Verfügung steht, konnte ich auch dort in der Mittagspause laufen und es gab weitere regnerische 12km am Frankfurter Mainufer. Fehlte also nur 7,5km für den Lauf 3. Das hieß also, direkt 18:30 nach dem Nachhausekommen, nochmals die Laufsachen anziehen und eine Runde drehen. Auch hier konnte ich knapp 13km absolvieren. 48,38km standen somit für den Montag zur Buche, die weiteste Strecke, die ich je an einem Tag gelaufen bin und mein Tagesziel habe ich um 4,5km überboten. Der erste Tag war geschafft.

Am nächsten Tag fuhr ich mit der S-Bahn nach Frankfurt rein und startete um 7:00 mit meinem ersten Lauf. Dies ist meine normale Laufzeit, ich drehe meist so 3 bis 4x die Woche eine Runde vor der Arbeit. Mit 15km war die Pflicht erfüllt und mittags folgten wieder 12,5km. Mittlerweile hatte ich nun aber einen leichten Muskelkater in den vorderen Oberschenkeln, welcher sich vor allem beim Treppabsteigen bemerkbar machte. 28km für Dienstag waren auf der Habenseite, 15km hatte ich mir noch vorgenommen. So ging es heute auf der Rückfahrt mit der Bahn nur nach Rüsselsheim und die restlichen Kilometer wurden gelaufen, 44km für Tag zwei sind eingeloggt.

NCC 1202_1Mittwoch früh wurde nochmals der halbe Arbeitsweg erlaufen. Ziel war wieder Raunheim. Mit Bus und Bahn benötige ich ca. 45 Minuten für die Strecke, wenn ich die laufe, ist es also Gratistrainingszeit. In Raunheim angekommen, hatte ich wieder 17 Minuten bis zur Bahn und konnte wieder eine Extraschleife absolvieren: +22km bei meinem siebenten Lauf. Ein Drittel der geplanten Läufe ist nun schon absolviert und da ich immer ein Stückchen mehr laufen konnte, als geplant, war ich nun schon bei 115km. Psychologisch war das schon ein Vorteil, genauso, wie ich mir die Läufe je Tag auf drei geteilt habe. Es ist einfacher vom Kopf her nur gut eine Stunde und 12km zu laufen, als mehr als 2,5h und 30km. Mein Muskelkater in den Oberschenkel wurde nun auch stärker. Das Anlaufen bei der Mittagsrunde viel schon schwer, aber nach gut 400 Metern ging es dann doch ganz gut. Mit je fast 13km mittags und abends waren wieder 48km am dritten Tag hinzugekommen. Von den Mitläufern, die ihre Läufe auch regelmäßig hochladen, hatte nur einer knapp 30km am Tag absolviert und ich hatte somit schon ein großes Polster aufbauen können. Abends gab es eine große Portion Nudeln und auch die Oberschenkel und Waden bekamen durch Kompressionskleidung ein wenig Regeneration.

Am Donnerstag startete ich wieder um 7:00 zu einer kleinen Runde in Frankfurt, im Gegensatz zu Dienstag wollte ich noch einen km raufpacken und plante 16km. Was nun folgte, war überraschend, wurde ich die ersten drei Tage immer ein paar Sekunden langsamer (montags startete ich mit 5:26min/km, mittwochs war ich bei 5:32min/km – zum Vergleich: meine lockeres GA1-Tempo ist sonst so um die 4:55min/km), so flog ich heute förmlich über die Straßen. 5:17min/km war der Tagesschnitt und das mit drei intensiven Vortagen. Einfach Wahnsinn, was der Körper im Stande zu leisten ist. Mit der Standardrunde am Main und dem Lauf aus Rüsselsheim, kamen für Do 45km zustande, das sind in der Summe 186km. Ich war guter Dinge mein Wochenziel zu erreichen.

Die Woche neigte sich dem Ende und der letzte Lauf zur Arbeit folgte. Ehrgeizig wie ich war und angestachelt von der guten Vorleistung, lief ich am Freitag noch eine Station weiter. Mit 26,4km bis Kelsterbach hatte ich den längsten Lauf der gesamten Woche absolviert, die letzten 4km waren dann zwar doch schon zäher, aber machbar. Mit den standardmäßigen 12km-Runden wäre aber der erste 50km-Tag drin, am Ende wurden es sogar 52,6km. Auch wenn ich genug Puffer hatte, man weiß nie, was die Konkurrenz am Wochenende abspult und vielleicht taucht noch jemand in der Liste auf, der erst alle Läufe am Sonntag hochlädt. Das hatte ich auch überlegt, das Risiko eines Datenverlustes war mir aber zu groß.

So ging es Samstag früh auf eine kleine Brötchenholenrunde. Knapp 62km fehlten noch am Wochenende für die magischen 300km und die ersten 12km wurden vor dem Frühstück absolviert. Mittags habe ich man dann durch den großen Vorsprung entscheiden nur noch 2x zu laufen. Das Ziel war auf 19km gesetzt, somit blieben glatte 30km für den Sonntag. Nachdem der Muskelkater an den vorderen Oberschenkel zurückgegangen ist, bemerkte ich jetzt die Waden und die hinteren Oberschenkel ein wenig mehr. Nach 300 Meter einlaufen war es aber auch wieder in Ordnung.

Da der Bäcker am Sonntag erst 8:30 öffnet, hatte ich Zeit für eine größere Frühstücksrunde. Eine schöne größere 3-Brückenrunde bis Hochheim brachten weiter 22km auf die Uhr. Hier war es auch mental ein Vorteil eine neue schöne Strecke, vor allem auf dem Rückweg zu probieren. Da wird es auch nicht langweilig. Nur noch ein Lauf fehlte und ich war bei knapp 292km angelangt. Sonntag 14:24 war es dann soweit, ich brach zum letzten Lauf auf. Schöne 16km bei sonnigem Wetter durch Mainz. Nach 8,1km war ich gerade an der Uni unterwegs und hob kurz zum Jubeln die Arme, die 300km waren geschafft. Am Ende waren es nach 19 Läufen 307,69km. Mit einem Kilometerschnitt von 5:24 war ich 27 Stunden und 44 Minuten unterwegs. Jetzt drei Tage später, sind die kleinen Wehwehchen verdaut. Der Muskelkater ist komplett weg und auch die Knie, die sich am Wochenende zum ersten mal sehr leicht bemerkbar machten, sind wieder ruhig. Von der Belastung war ich an der Grenze, ich hätte zwar noch ein wenig mehr laufen können, orthopädisch wäre das dann aber keine so gute Idee gewesen. Montag früh wartete ich die neue Nikeliste ab und war sehr erfreut. An meine 307km kam niemand ran. Auf Platz 2 und 3 folgten erst mit 234 und 232km Mitläufer aus Leipzig und Berlin. Mein Plan ist voll aufgegangen.

Nachtrag: Sieben Tage nach meiner Laufwoche hat sich nun auch Nike gemeldet und ich habe die Reise zum Polarnacht-Halbmarathon in Tromsö gewonnen. In knapp vier Wochen geht es nun nach Norwegen.

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