Zugspitz Trailrun Challenge – Die Revenge

Schon 2014 stand ich bei der ersten Zugspitz Trailrun Challenge am Start, nur zwangen mich Knieprobleme bei der zweiten Verpflegungsstation zur Aufgabe. Die Herausforderung, der Bezwingung der Zugspitze, wollte ich mich aber nochmal stellen. So ging es am vergangenen Wochenende voller Vorfreude wieder in die Zugspitzarena. In der Vorwoche wurde täglich das Wetter gecheckt und die Aussichten waren nicht schön: 20 bis 60 Liter Regen und Gewitter. Im Laufe der Tage wurde das Regenrisiko geringer, das Gewitterrisiko aber nicht. Mir war da schon klar, um ganz rauf zu laufen muss noch ein Wunder geschehen.

Freitag – der Prolog

Der Check-Inn am Freitag war schnell erledigt. Um 18:00 sollte der Prolog starten. Es war eine leicht modifizierte Runde durch den Garmischer Kurpark aus dem letzten Jahr. 1,3km witziger Trailrun abseits der Parkwege. Heute geht es nur um den Spaß, viel Zeit kann man nicht verlieren. So heißt die Devise nicht allzu viel Laktat in die Beine zu laufen. Nach guten 6 Minuten war der  Spaß auch schon vorbei. Direkt um 19h konnte man sich bei leckeren Nudeln stärken und um 20h folgte das Streckenbriefing. Und hier wurde die Vorahnung Gewissheit: Ziel ist Sonn Alpin. Das letzte Stück hoch zur Zugspitze ist Drahtseil gesichert und somit ein riesiger Blitzableiter. Bei dem Gewitterrisiko verständlich, dass das Stück nicht gelaufen wird. Auch entfällt die exponierte Biberwierer Scharte. Der Start wurde um 2h nach hinten gelegt, es bestand die Hoffnung, dass zu diesem Zeitpunkt die Gewitter schon durch sind.

Samstag – der Marathon

Durch den verspäteten Start konnten die Läufer ein wenig länger schlafen. Mein Hotel lag rund 200 Meter vom Start entfernt und die Wirtin hat das Frühstück extra für uns Läufer 2 Stunden früher vorbereitet, so dass wir uns vor dem Lauf gut stärken konnten. Der Checkin in die Startaufstellung verlief bei mir ohne Probleme. Das Wetter war bis jetzt wunderbar, kein Regen. Pünktlich um 8h der Start. Nach einem lockeren Einlaufen von 2km ging es dann zur ersten Steigung: Grüner Ups. 900 Höhenmeter gab es gleich am Anfang zu bewältigen. Ein schöner Trail, den ich etwas zu schnell angegangen bin, statt 80 bis max. 85% Puls, schoss dieser auf 90% hoch. Sowas kann sich am Ende noch rächen. Ein langsameres Tempo brachte den Puls nur ein wenig runter. Oben angekommen gab es schöne flowige Wiesentrails mit grandioser Aussicht. Den ersten (und einzig längeren) Abstieg ging ich vorsichtig an, ich wollte mein Knie nicht überstrapazieren. Dieses mal wollte ich durchkommen. Unten angekommen, ging es noch ein kurzes Stück flach entlang. Hier brannte die Sonne und mein Akku war schon leicht lehr. Der kurze Stopp brachte aber Besserung. Am Brunnen etwas erfrischt, frisch gestärkt du die Getränkevorräte aufgefüllt, ging es auch schon weiter. Und schon fiel das Laufen auch schon wieder einfacher. Die einzige große Herausforderung auf diesem Teilabschnitt sind die 300 positiven Höhenmeter zur Grubigstein Mittelstation. So konnte man hier ein wenig Tempo machen. Der Downhill Richtung Biberwier war kurz und knackig. Das Knie hielt und ich erreichte den zweiten Verpflegungspunkt nach 3h40 und somit 80 Minuten vor der Cutoffzeit. Hier gönnte ich mir eine Cola und ging dann den dritten Streckenabschnitt an. Richtung Ehrwald war die Strecke noch recht flach und gut zu laufen. Von meinem anfänglichen Plan, den Lauf bei gut 170er Puls (ca. 83% HFmax) zu laufen, habe ich mich mittlerweile verabschiedet. Der Himmel war immer noch blau und die Sonne brannte erbarmungslos. In Ehrwald bei km 27 waren wir wieder auf der Ausgangshöhenlage angekommen und der Schlußanstieg zur Zugspitze stand an. Es ging hoch zur Ehrwalder Alm und mittlerweile zog es sich ein wenig zu. Durch die vielen Wanderer und die Seilbahn war hier ordentlich was los. Es gab immer wieder aufmunternde Worte und Respektbekundenung. Die Zugspitze war selbst schon in Wolken gehüllt. Bei 1.617 Höhenmeter erreichten wir die dritte Verpflegungsstation. Ein kurzes Nicken zum Arzt und der Medizincheck war auch erledigt. Mit 5:30 hatte ich 2h Puffer zum Cutoff. Zeitlich war ich also gut im Rahmen. Der dritte Abschnitt war im Vergleich zu den anderen auch der schnellste Abschnitt. Platz 98 von 200 gestarteten Läufern. Der Forstweg zur Pestkapelle wurde von einem Trail abgelöst. Die Wolken kamen immer näher und es wurde auch merklich kühler und dann fing es wirklich an zu regnen. Sechs Stunden war ich bis hierhin unterwegs, das Wetter hatte damit sehr lange gehalten und war besser als erwartet. Also schnell die Regenjacke an weiter ging es. Über eine seilversicherte Passage ging es Richtung Gatterl. Die Sicht war schon sehr eingeschränkt und auch die flachen Abschnitte waren sehr verblockt. Mein Puls wurde immer niedriger, aber ich kam den Ziel Stück für Stück näher. Die Uhr zeigte mittlerweile 2.600 Höhenmeter an. Kurz darauf passierte ich die Knorrhütte, jedenfalls bin ich 10 Meter daran vorbeigelaufen und konnte das Haus gerade so erahnen. Hier gab es noch eine Getränkestation. Habe ich bis Abschnitt 3 insgesamt noch gut sechs Liter getrunken, waren meine Vorräte durch das kalte Wetter noch gut gefüllt und ich habe die Station links liegen gelassen. Jetzt waren es nur noch 500 Höhenmeter. Mir war bewusst, dass ich mittlerweile etwas langsamer wurde. Aber ist es nur noch ein Aufstieg zum Altkönig, meiner Trainingsstrecke. Teilweise gab es keinen Weg mehr, sondern es ging quer über die Felsen. Die Sicht war nicht mehr als 20 Meter, aber hier traf ich noch jemanden vom Markierungsteam. Alle paar Meter wurde mit oranger Farbe nachmarkiert, so dass sich auch niemand verlaufen konnte. Hier oben pfiff der Wind gnadenlos, mit dem Nebel wurden aus 5 Grad Lufttemperatur gefühlte null Grad. Extreme Bedingungen hier oben, was noch einmal die Entscheidung bekräftigte, nicht bis ganz oben zu laufen. Von hinten hörte ich Schritte und ich wollte Platz zum Überholen machen. Es war aber ein Arzt von der Bergwacht, der seine Runde drehte und auf die Läufer aufpasste. Die Sicherheit wird bei dem Lauf sehr hoch geschrieben. Die Uhr zeigt 3.000 Höhenmeter an, ich bin fast da. Zu sehen ist durch den Nebel nichts. Irgendwann tauchten gelbe Bänder am Boden auf, die den Zielkanal signalisierten. Es ging nochmal in den Trabschritt. Und urplötzlich war das Ziel auch da. Endzeit 8 Stunden und 44 Minuten. Geschafft, ich bin ein Finisher und ich bekam die Mediale. Die Zugspitze war bezwungen. Im Vergleich zu den anderen Läufern, habe ich im letzten Abschnitt sehr viel Zeit gelassen. Normalerweise betrug hier die Laufzeit 33% der Gesamtzeit, bei mir 38%. Rückblickend habe ich nicht genug Energie zu mir genommen, so dass ich leicht eingebrochen bin. Auch war der schnelle Start doch etwas kontraproduktiv. Fehler die man abstellen kann. Von 25 gestarteten Triplern in meiner Altersklasse wurde ich 17. Interessant ist, das die durchschnittliche Männerzeit der Tripler mit 7:35 gut 15 Minuten schneller war, als bei den reinen Marathonläufer. Ich hätte das genau anders herum erwartet, da die nur Marathonis sich nicht für den Folgetag schonen müssen, aber die Tripler scheinen wohl einfach deutlich trainierter zu sein.

 

Sonntag – der Halbmarathon

Am letzten Tag standen nochmal 22,3 km mit 1.025 auf dem Plan. Gespannt war ich, wie ich den Marathon weggesteckt habe und wie hart es heute werden wird. Das Profil war sehr moderat. Die ersten 700 Höhenmeter waren direkt am ersten Anstieg, der sich aber 14km lang zog. Dadurch war er aber gut laufbar, da er nicht zu steil und auf Forstweg war. Es folgte ein netter flacherer Wurzeltrail und schon kam der erste Downhill. Der nächste Anstieg war schon knackiger, aber mit 200 Höhenmeter überschaubar. Da es eine Skipiste hochging, war dieser trotzdem sehr steil. Jetzt fehlten nur noch 100 Höhenmeter, die im Vergleich der bisher 4.000 absolvierten ein Klacks war. Danach ging es nur noch runter Richtung Ziel. Ein Wurzeltrial spuckte und dann auch wieder in Ehrwald aus. Der letzte Kilometer und die Challenge ist bezwungen. Den Halbmarathon habe ich in knapp 2:45 absolviert. Ich war zufrieden, die Pace war wieder deutlich besser und ich hatte mir an diesem Tag noch genug Reserven gelassen. In der Triple-Wertung kam ich auf Tagesplatz 12, was am Ende Platz 16 der Kategorie Men heißt. Man. war das eine extrem starke Konkurenz bei einem extremen Lauf. Am Ende gab es noch das wohlverdiente Triple-Finisher-Shirt, im Gegensatz zum Baumwoll-Marathon-Shirt ein Funktionsshirt. Das Wetter war an diesem Tag wieder grandios und ich genoss noch ein wenig die Atmosphäre im Start-Ziel-Bereich. Es war ein sehr gut organisiertes Wochenende und drei sehr schöne Läufe. Die Zugspitze wird mich auf jeden Fall wieder sehen, vielleicht schon 2016?

3 Gedanken zu „Zugspitz Trailrun Challenge – Die Revenge

  • 13. Januar 2016 um 00:03
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    Schön beschrieben!! Und is the Zugspitze 2016 calling again?

    Ich war 2014 da. Bin auch mitm Kumpel hochgejoggt. Über die Gatterlroute. Schön vorm Morgengrauen los und dann dieser Nebel über Ehrwald. Tolle Atmosphäre gewesen.

    Auf ein aktives und verletzungsfreies 2016!

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    • EXPhysiker
      13. Januar 2016 um 09:53
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      Sehr wahrscheinlich, aber eher den Zugspitz Ultratrail in der 60km Variante. Also eher herum als rauf. Aber einmal will ich noch komplett hoch und auch mal die Aussicht genießen, es war ja sehr neblig da oben.

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