Zugspitz Trailrun Challenge: das Rennen

Wenn Plan A nicht funktioniert, dann nehme Plan B. Oder auch Plan C oder D, das war mein erster Eindruck von der Plan-B-Eventagentur, die die Premiere der Zugspitz Trailrun Challenge organisierten. Mit dem Transalpin Run und dem Zugspitz Ultratrail haben die Münchener aber schon große Schwergewichte in der Trailrunningszene etablieren können, die einen sehr professionellen Eindruck machen. All zuviel falsch gemacht haben sie anscheinend nicht. Dennoch, als ich mich vor gut drei Monaten für die Veranstaltung angemeldet habe, ging der Marathon noch über gut 2.000 Höhenmeter. Dann wurde die Strecke geändert und das Ziel war mit 4.600 Höhenmetern auf der Zugspitze und der Start von 10:00 auf 6:00 morgens von Grainau nach Ehrwald verlegt. Es wird eine lange Kante. Das Hotelzimmer in Garmisch war schon gebucht, das hieß also früher aufstehen und selbst fahren. Zwei Wochen vor dem Start wurde nochmal alles umgeworfen. Start und Ziel blieben gleich, die Strecke führte nun aber erstmal Richtung Westen über Grüner Ups und der Wolfratshausener Hütte statt dem Höllkopf und der Niederen Mulde. Die Änderung war jetzt aber nicht ganz so schlimm, das Profil blieb annähernd gleich oder wurde sogar minimal einfacher. Los ging es dann schon am Donnerstag Richtung Garmisch. Die Anreise betrug immerhin 475km. Kurz nach 19h in Garmisch angekommen und die Startunterlagen abgeholt, so war der Freitag fast komplett frei für einen Ausflug nach Innsbruck.

Freitag: Citysprint

Um 18:00 war der Start für den Citysprint angesetzt. So ging es eine Stunde vorher aus dem Hotel los. In der Stadt war schon die Strecke abgesperrt. Ein langer Kanal durch die Fußgängerzone, die dann durch ein Tor abbog. Kurz geschaut, es ging Richtung Kurpark. Bei der Aufwärmrunde kann ich die Strecke ja schon mal ablaufen. Also rein in den Kurpark, hier hat sich Plan B mit viel Liebe zum Detail ein nette Strecke ausgedacht. Es ging auch abseits der Wege durch die Sträucher und Bäume und dann war ich schon wieder am Start. Das waren aber niemals die angekündigten 3,0km. Im neuen Flyer waren es noch angekündigte 2,5km und der Moderator erwähnte was von 1,6km. Dann ging es los, es wurde pünktlich gestartet und alle 20 Sekunden wurde ein weiterer Läufer auf die Strecke gelassen. Die Zugspitz Trailrun Challenge hat begonnen. Nach 5min und 26 Sekunden war der Spaß auch schon wieder vorbei. Auf der Uhr standen am Ende 1,1km. Streckenänderungen können mich ja nicht mehr schocken. Ein kleiner Anfangs- und Endsprint und in der Mitte hab ich es etwas langsamer angehen lassen. Bloß nicht verletzten, ich hatte mich ja auch für Straßenlaufschuhe ohne Profil entschieden. Am Vortag habe ich gesehen, dass es durch die Stadt geht und hab eher damit gerechnet, dass Treppen oder Baumstämme in den Kurs eingebaut werden. Der Trailanteil im Kurpark hat mich etwas überrascht, war aber sehr nett. Um 19:00 startete auch die Pastaparty mit einer großen Auswahl an leckeren Nudeln. Kurz danach die Siegerehrung und das Streckenbriefing. Durch das schlechte Wetter auf der Zugspitze wurde das Ziel auf Sonnalpin verlegt. Da es ab 12:00 ab 2.500 HM zu schneien beginnen soll, ist die Änderung absolut verständlich. Dann zurück zum Hotel und nochmal die Ausrüstung checken und noch ein wenig schlafen. Der Wecker klingelt schließlich um 4:00 morgens.

Samstag: Zugspitz Marathon

Es ist dunkel draußen, ich schaue auf die Uhr: es ist 3:00 in der Früh. Ok, also nochmal umdrehen, aber so richtig schlafen kann ich nicht mehr. In 3 Stunden stehen 44,1km und 3.900 Höhenmeter auf dem Plan. Im Training bin ich als Maximum 38km und 1.500 Höhenmeter gelaufen. Es wird eine harte Tour werden. Um 4:00 steh ich dann auf und mache möglichst wenig Licht, um der Freundin noch ein wenig Schlaf zu gönnen. Es gibt 5 Toasts mit Honig und 2 Bananen. Ausrüstung angelegt und dann kann es auch schon losgehen. Um 4:45 verabschiede ich mich und fahre Richtung Ehrwald. Der Start ist schnell gefunden und das Auto abgestellt. Um 5:30 bin ich einer der Ersten, die zur Startkontrolle gehen. Alles in Ordnung, ich darf rein. Die Regenjacke hatte ich an, um nicht direkt auszukühlen. Mit Robert und Timo, die auch öfters im Taunus unterwegs sind, noch ein wenig gequatscht und dann war es kurz vor 6h. Ich packe meine Jacke in den Rucksack und dann geht es auch schon los: 3…2…1 – Startschuß. Die ersten 2km verliefen flach. Perfekt zum Einlaufen. Ich musste nur aufpassen, keine Stöcke gegen die Beine zu bekommen. Viele hatten ihre vollständig ausgezogenen Stöcke in der Hand. Trotz 125 Startern und einer breiten Straße, konnte es schon etwas eng werden. Es dauerte aber nicht lange und das Feld hat sich entzerrt und ich konnte trotz lockerem Lauf ein wenig Tempo machen. Nach zwei Kilometer habe ich direkt die Armlinge ausgezogen, das Warmlaufen hat gut funktioniert. Mittlerweile war auch das Ehrwalder Viadukt erreicht und der erste Anstieg kündigte sich an. Moderat mit fast 8% Steigung ging es den Waldweg nach oben. Noch gab sich keiner die Blöße und es wurde gelaufen. Das sollte sich beim nächsten Kilometer und 20% Steigung schlagartig ändern. Jetzt war es deutlich effektiver zu gehen. Ich holte die Stöcke aus dem Rucksack und kam somit jetzt effektiv hoch, war aber deutlich am Schnaufen. Einen flachen Marathon läuft man bei 82-85% Herzfrequenz. Ich wollte rund 80% beim Aufstieg einhalten und mich beim Abstieg leicht erholen. Bei gut 90% war ich deutlich zu schnell. Ich will mich nicht gleich am ersten Ansteig aufreiben. 200 Höhenmeter bei einem Kilometer in 12 Minuten ist aber auch ein gutes Tempo. Bei guten Gelegenheiten habe ich ein wenig Platz gemacht und drei, vier Leute überholen lassen. Danach kam erstmal niemand und ich konnte mein eigenes Tempo anschlagen. Für 5,2km und 880 Höhenmeter war der gröbste Anstieg gepackt und der Höhenweg stand an. Hier standen zwei Helfer und haben auf eine riesige Matschpiste aufmerksam gemacht und eine Umleitung gezeigt. Die war fast genauso matschig und ging steil runter. Der Matsch war so tief und so rutschte ich ein wenig mit dem Fuß weg und hab mit direkt mit dem Hintern gebremst. War ja zum Glück sehr weich und es ging ohne Probleme weiter. Die Kuhalm hatte extrem viele Löcher, so dass man jeden Tritt genau setzten musste. Ich kam mir vor wie bei einem Jump’n’Run-Spiel. Nur auf 1.850 Metern Höhe. Was für ein Spaß! Hier sieht man auch, wo die Kompetenz von Plan B liegt. Die Strecke war hervorragend markiert. Überall sah man die orangen Schilder, Pfeile, Bänder oder Sprühmarkierungen auf den Steinen. Es war auch an vielen Stellen Streckenposten oder medizinische Betreuung zu sehen. Die Strecke war gut organisiert. Zwei Kilometer ging es relativ flach entlang und nach insgesamt stand der erste Downhill an. Diesen wollte ich moderat angehen, schließlich geht das intensive Bergablaufen auf die Gelenke. Fokussiert auf die Strecke, ging es nun bergab. 700 Höhenmeter auf 3km, was für ein Gefälle. Die Stöcke waren hier Gold wert und haben mich das ein oder andere Mal abfangen können. 28 Minuten dauerte der Ritt nach unten. Noch ein kurzes Stück auf einer Forststraße und der erste Verpflegungspunkt wurde nach 2h 13min erreicht. Ich lag super im Zeitplan. Das Zeitlimit sollte kein Problem sein, die Hochrechnung ergab etwas 9h. Aktuell war ich 68. von 125 Startern, also Mittelfeld. Hier sieht man auch, wer sich bei so einem Lauf anmeldet, weiß was er macht. Jeder würde bei normalen Volks- und Straßenläufen sehr weit vorne liegen. Ich ließ mir mit 5 Minuten etwas Zeit, füllte meine Flaschen auf, aß etwas und machte mich wieder auf den Weg. Es war wieder flach und so konnte man wieder ein paar Minuten rausholen, bevor es in den nächsten Anstieg ging. Der Weg führte schnurrgerade ein Tal hinauf. Ich habe schnell mein Tempo gefunden und machte Höhenmeter um Höhenmeter gut. Dann bog der Weg links ab und in immer steileren Serpentinen ging es weiter nach oben. Von hier hatte man einen atemberaubenden Blick ins Tal und auf die nachfolgenden Läufer. Man sieht einfach, was man schon geleistet hat. An der Wolratshauser Hütte war der zweite Anstieg geschafft und die Gaststubbe lud zum Verweilen ein. Aber ich fühlte mich noch Bestens. Die nächsten 2km zu Grubigalm waren kein Problem, schließlich war es wieder fast flach. Nach 23km und 3h 58min lag ich immer noch gut in der Zeit. Der Abstieg sollte beginnen und ohne Vorwarnung gab es einen Schmerz im linken Knie. An einen schnellen Abstieg war nicht mehr zu denken. Ich ging es erstmal vorsichtig an, aber wenn ich mit laufen anfangen wollte, begann ich zu humpeln. Ich hatte keine Ahnung was los war, war es ein kurzer Schmerz, der bald wieder aufhört? Es wurde aber nicht besser. Mit 30min für einen Kilometer Abstieg, musste ich einsehen, dass das Rennen ab hier für mich keinen Sinn mehr macht. Am nächsten Verpflegungspunkt steige ich aus. Die Gesundheit geht vor und so eine langwierige Verletzung vermeiden. Bei der Hälfte des Abstiegs hat mich Robert eingeholt. Er sah noch fit aus und hat den Lauf in 10:47 beenden können. Herzlichen Glückwunsch. Ich bin über die Messmatte vom Verpflegungspunkt 2 und hab die Pulsuhr dann ausgeschaltet. Hier wartete schon ein Shuttle und hat mich direkt ins Zentrum nach Ehrwald gebracht. Im Shuttle traf ich auch Timo, der leider auch aufgab. Bis zum zweiten Abstieg war es für mich aber ein tolles Rennen. Die Landschaft war phantastisch und die Kondition hätte gereicht. Ich hab mich noch topfit gefühlt. Mit der Challenge hab ich noch eine Rechnung offen. Im nächsten Jahr sieht man sich wieder, ich will die Zugspitze erlaufen.

Montag: der Arztbesuch

Vorgestern hatte ich noch einen kurzen Besuch beim Sportarzt. Diagnose: Entzündung der Kapsel am Knie. Ich haben einen leichten „Gips“komressionsverband bekommen, damit das Knie eine Woche ruhig ist und eine Woche Laufpause verordnet bekommen. Jetzt zeigt sich auch, dass das DNF die richtige Option war. Eventuell hätte ich weiterlaufen und knapp vor Zielschluss einlaufen können. Nur dann wäre ich wohlmöglich länger außer Gefecht gewesen.

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