Wiesbaden Trail Run & Bike Marathon 2014

Am letzten Wochenende stand der Wiesbadener Wald rund um das Jagdschloß Platte im Zeichen des Trailruns und der Biker – zwei Tage Sport pur. Samstag wurde gelaufen und Sonntag waren die Radfahrer am Start. Meine erste Trailveranstaltung soll also auch der erste Blogeintrag werden. Organisiert wurde die Veranstaltung mittlerweile zum dritten Mal vom RSC Wiesbaden. Die Laufwettbewerbe kamen im letzten Jahr hinzu. Angeboten wurden zwei Kurzstrecken über 5 bzw. 10km, ein Halbmarathon und ein Marathon. Auffallend sind die Flyer mit den cartoonartigen Läufer und Radfahrer schon. Die stammen vom spanischen Designer Jordi Sunyer und haben auf jeden Fall einen Wiedererkennungswert. Im Wiesbadener Stadtgebiet konnte man auch viele Plakate sehen, ein wenig mehr Werbung bei den Läufern hätte der Veranstaltung aber gut getan. Insgesamt gab es 136 Finisher, fast die Hälfte davon auf der Halbmarathonstrecke. Dies ist dennoch ein guter Zuwachs von 84% gegenüber dem Vorjahr. Leider gab es auf der Wiesbaden Trailrun Webseite für die Langstrecken keine Streckenkarte, nur das Höhenprofil wurde angezeigt.

 

Start und Ziel war neben dem Jagdschloß Platte. Auf dem Vorplatz war sogar eine größere Bühne aufgebaut und es gab sogar Bikes zum testen. Hier war deutlich zu merken, dass der Veranstalter ein Radsportverein ist. Die Anmeldung wurde direkt im sehr schönen Jagdschloss untergebracht. Parkplätze gab es ausreichend für die Laufveranstaltung in Fußnähe. Gestartet wurde in Etappen, um 9:00 begannen die Marathonläufer, eine halbe Stunde später die Halbmarathonläufer und um 9:45 dann die Kurzstrecken. Ich habe mich für den Sommer für eine Veranstaltung in den Alpen angemeldet, so kam mir ein kleiner Testlauf mit leichtem auf und ab gerade recht. Um 9:30 reihte ich mich in den Start für den Halbmarathon ein. Bei guten 60 Startern war alles sehr entspannt. So habe ich mich am Start mit Thomas unterhalten können, er erzählte mir damals im März bei ein geführten Trailtour vom Trailrunning Taunus von dieser Veranstaltung. So trifft man sich wieder.

 

Nach dem Startschuss ging es direkt auf den ersten Trail und es gab einen moderaten Anstieg von 30 Höhenmetern auf dem ersten halben Kilometer. Es fühlte sich aber gar nicht nach Anstieg an, so dass ich an einer fünfköpfigen Führungstruppe dranbleiben konnte. Ausgerechnet hatte ich mir bei guten Bedingungen einen Platz unter den besten 10%, also Top 6 wäre eventuell machbar. Nach 1,3 Kilometern ging es dann bergab. Auf jeden Fall ist der Downhill mein Verbessungspunkt Nummer eins. Ich musste die Führungstruppe ziehen lassen und wurde auf dem 4km Bergabstück noch ein wenig überholt. Bei km5 war ich somit zehnter. Die Verpflegung war so organisiert, dass es ca. alle 2,5km etwas zu trinken gab. Kurz nach km9 stand ein einsamer Wasserkasten an der Wegkreuzung. Hier nahm ich mein erstes Gel, meine beiden Vordermänner machten auch eine kurze Trinkpause, so dass wir Platz 8 bis 10 zusammen waren. Zu Läufer #11 hatten wir genug Vorsprung, jedenfalls war keiner zu sehen. Jetzt folgten die ersten kleinen Steigungen und laut Streckenplan sollten später fast 300 Höhenmeter am Stück folgen. Jetzt begann das eigentlich Rennen für mich. Hatte ich vorher Probleme an Platz 9 dran zu bleiben, entfaltete das Gel nun seine Wirkung und wir konnten auf Platz 7 auflaufen und wir kamen zu viert zu einen größeren Verpflegungsstand mit Betreuung bei km11. Hier gab es Iso und Bananen. Kurz gestoppt und getrunken, halbe Banane geschnappt und dann weiter. Im Gehen wurde die Banane gegessen, dann ging es im Laufschritt eine moderate Steigung von 4% hoch. Durch den Verpflegungsstopp konnte ich Platz 10 hinter mir lassen. Und in der langgezogenen geraden Steigung konnte ich Thomas wieder sehen. Er war mir am Anfang mit der Führungsgruppe davongezogen aber noch weit weg. Bei km12 kam dann etwas Verwirrung auf. Bisher war die Strecke sehr gut markiert gewesen. Weiße große Pfeile wiesen den Weg, Abzweigungen, die man nicht laufen sollte, wurden mit der weißen Kreide oder Absperrband kenntlich gemacht. Nun zeigte der weiße Pfeil zu einem Trail nach links, dieser war aber mit einem Absperrband versehen. Geradeaus zeigte nur ein kleiner orangener Pfeil. Der war bisher einmal zu sehen. Platz 6 und 7 schauten sich auch ratlos an und wir liefen dann gerade aus als Vierergrupppe weiter. Wird schon richtig sein. Bei einem nächsten Abzweig tauchte dann 200m vor mir wieder Thomas auf, er lief mit jemanden zusammen, also Platz 4 und 5. Ich legte wieder etwas zu, um auf beide aufzulaufen, die Vierergruppe ließ ich somit hinter mir. Kurz vor dem 15km-Verpflegungspunkt konnte ich aufschließen. Kurzer Zwischenstopp, das zweite Gel genommen, mit Iso runtergespült und mit dem Schwamm erfrischt. Ein möglichst kurzer Boxenstopp sollte es sein und dann ging es weiter. Thomas lief mit mir mit und wir waren zusammen in den Top 5. Wenn es so bis zum Ende bleiben sollte, wäre ich mehr als zufrieden. Bei km16 ging es um die Kurve und nun kam ein 7,5%iger Anstieg auf 3km. Bei km17 haben wir beide ein gutes Tempo gefunden und nun konnte man einen Kilometer weit schauen. 500m vor uns machten die zweite Frau und der dritte Mann Gehpausen. Wir kamen immer näher und am Ende der Geraden und der Steigung waren wir dran. Der Mann schloss sich unserem Tempo an. Noch gut 4km bis zum Ziel und es bestand die Möglichkeit aufs Treppchen. Aber es gab ja noch einige Konkurrenten. Beim nächsten Anstieg musste der vormals Dritte abreißen lassen. Das Rennen machte zu diesem Zeitpunkt sehr viel Spaß. Bei km 20 bogen wir auf den Trompeterweg ein. Noch gut einen Kilometer, der jetzt auf einer breiten Forststraße zum Jagdschloss führte und es war der zweite Mann zu sehen. Sein Tempo war relativ moderat. Thomas meinte zu mir, den kriegst du noch und ich habe den Turbo eingelegt. Nochmal 4 Minuten auspowern, das wäre möglich. Plötzlich blieb der derzeit Zweite stehen und musste sich dehnen. Er hatte definitiv Probleme. Er schaute zurück und direkt in meine Augen. Er wollte seinen zweiten Platz nicht kampflos aufgeben und lief weiter. Ich aber direkt an ihm vorbei. Bei km 20,5 war dann der Trompeterweg mit einem Absperrband gesperrt. Es ging nochmal den Anfangsdownhill runter. Ok, es wird wohl etwas mehr als ein Halbmarathon. Bei der Bergabpassage lief Thomas wieder auf mich auf, ich konnte seinen Atem hören. Da die Streckenkarte für die 10km-Strecke online war, wusste ich, es geht noch den Telegraphenpfad hoch. Eine Steigung mit 20% wartete noch auf uns. Waren wir jetzt 2. und 3.? Wo war der Vierte? Km 22 und es ging wieder bergauf. Jetzt konnte man einen Blick zurück riskieren . Wir hatten uns ein wenig Vorsprung rausgelaufen. Ich nahm das Tempo raus, schließlich kam noch die finale Steigung und ich wollte noch etwas Körner für den Zielsprint sparen. Auf dem letzten flachen Stück vor dem Telegraphenpfad sah man auch schon die beiden Führenden, die erste Frau und der erste Mann.  Die beiden waren aber dann doch zu weit weg. Als wir in den Pfad einbogen, hatten beide schon die Hälfte absolviert. Hier konnte man wieder gut auf die Verfolger zurückblicken. Der Vorsprung müsste ausreichen und ich bin direkt nach Thomas hoch. Er schlug dann vor den Platz zu teilen. Gut, schließlich sind wir das letzte Drittel gemeinsam gelaufen und haben uns gegenseitig puschen können. Für beide war das Treppchen sicher. So hieß es dann die letzten 200 Meter auslaufen und gemeinsam kamen wir ins Ziel. Geteilter zweiter Platz, Wahnsinn, mehr als ich erwartet hatte und wieder eine gute Motivation für die folgenden Trainingswochen. Auf Platz 4 hatten wir dann noch 80 Sekunden rausgelaufen.

 

Für das nächste Jahr sollte der Veranstalter auf jeden Fall die Strecken vorher online stellen. Dass man beim Trail nicht immer exakt 21,1km laufen kann, ist klar. 23km ist jetzt auch kein Problem, man sollte sich nur vorher darauf einstellen können. Schließlich hat das Höhenprofil auch nur 21km angezeigt. Von den angegebenen 830 Höhenmetern sind wir dann auch nur 610 gelaufen. Schön wäre ein noch höherer Trailanteil. Vor allem das letzte Viertel der Marathonstrecke hatte unter einer langweiligen geraden Forststraßenstrecke zu leiden. Die Klasseneinteilung ist auch noch verbesserungswürdig. So gibt es die Jahrgänge „Unter 20“, „20-29“, „30-49“ und „Über 50“. Die 30 bis 49jährigen stellen mit 67% den größten Anteil an den Gesamtläufern. Da hätte man hier auch die Zehnjahreseinteilung nehmen können. Im Großen und Ganzen war es eine sehr schöne Veranstaltung im Taunus und der Termin wird für 2015 vorgemerkt.

Die Fotos wurden freundlicherweise von riedgras.de zur Verfügung gestellt.

4 Gedanken zu „Wiesbaden Trail Run & Bike Marathon 2014

  • Pingback: Taunustour Neroberg – Platte – Hohe Wurzel — TaunusTrailRUN.de

  • 20. Juli 2014 um 17:57
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    Hi Jens,

    schöne Homepage mit guten Berichten hast du da im Aufbau, bin darauf über meine Teilnahme am Wiesbaden TrailHM und die Diskussion im Trailforum aufmerksam geworden!
    Ich wohne auch in MZ. Falls du Lust hast mal eine gemeinsame Runde zu drehen, dann kannst du dich gerne melden – würde mich freuen, ich hab letztes Jahr erst mit Laufen angefangen und bin auf der Suche nach Gleichgesinnten. Zum Leistungsstand: Ich bin zwar nicht der Schnellste, habe aber immerhin in diesem Jahr schon den SH-Supertrail gefinisht und bis zu 30km im Training krieg ich hin.
    LG Mario

    Antwort
  • Jens
    24. Juli 2014 um 09:02
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    Hallo Mario,

    viel langsamer als ich warst du beim Wiesbaden Trail Run nun auch nicht. Kann sogar sein, das wir am Anfang zusammen gelaufen sind. Das mit dem Laufen wird bestimmt möglich sein. Entweder zur Platte. Ab und zu bin ich auch im Lennebergwald unterwegs. Nächste Woche geht es aber erstmal in den Urlaub nach Norwegen.

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  • 27. Juli 2014 um 22:51
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    Im Lennebergwald lauf ich auch regelmäßig, es sind zwar wenig Höhenmeter dort zu machen, aber abseits der ausgeschilderten Laufwege hab ich da auch schon sehr schöne Trails gefunden! Freu mich wenns klappt.
    Wünsch dir einen schönen Urlaub!

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